Es ist doch nur ein Versuch. Es ist doch grade keine Zeit. Es ist doch alles in Ordnung. Sätze, die ich mir sage, wenn ich die luftigen Tiefen des Tüftelns vermisse, wenn mal wieder zu viel los ist. Wieso muss eigentlich immer so viel los sein? Naja. Also setzte ich mich 5 Minuten an den Plastiksynthesizer und das kam dabei raus. Is doch ok, für Zwischendurch. Wieder so ein Satz. Die Tonaussetzer sind witzig (aber nicht beabsichtigt). Besser als nix. Ich hör jetzt auf, bevor die Sätze überhandnehmen. Aber irgendwann werde ich wieder so richtig Zeit haben fürs Tüfteln.
Bis dahin noch ein paar Gedanken zur Improvisation (spannendes Thema!): Improvisation entsteht nicht aus dem Nichts. Es muss etwas geben, ein Vor-Etwas, von dem ein Abweichen notwendig ist und aus dem das improvisierte Nach-Etwas werden muss. Improvisation wird notwendig, wenn Unvorhergesehenes passiert, wenn das Gewohnte, nicht mehr „klappt“. Dementsprechend improvisieren wir öfter als wir denken. Im Alltag. In der Musik – zumindest bei mir – gibt es die Hürde, die sich „Angst vor dem Fehler“ nennt. Das Abweichen vom Geübten, das Kontrolle-abgeben, die Raumöffnung für Schiefklänge und offensichtliche Unsauberkeiten – ich persönliche verspüre eine übertriebene Furcht davor, einen schiefen Ton hervorzurufen, in hereinzulassen in die Kompositionsarena, denn dort wird er – meines Hörens nach – umgehend zum Elefanten im Porzellanfachhandel. Umso schöner, dass ein paar Fehler im Video sind. Ich frage mich, woher kommt diese Furcht vor dem Fehler, dieses Unverzeihliche. Ist das allgemeinmenschliche Erfahrung oder persönliche Bürde? Wer macht schon gerne Fehler? Diese zuzugeben ist oftmals schwerer als eine 3-Meter-Couch durch eine 90cm-Türöffnung zu wuchten. Und da ist der polternde Idioten*-Gedanke: Na, wenn da schon jemand auf der Bühne ist, dann will ich da keine Fehler hören. Hab ja dafür bezahlt. Das wär ja noch schöner! Ich darf auf Arbeit auch keine Fehler machen! Dies mag für den Professionellen-Bereich ja ein tolerierbarer, dennoch engstirniger und daher nicht haltbarer Gedanke sein, aber für den WordPress-Musiker? Eher nicht. Der Fehler, der Fehler ist schlimm, so schlimm. Diese Gedanken führen zur Reflexion über eine gesellschaftliche Fehlerkultur, die man – in dieser historischen Konstellation – nicht als konstruktiv bezeichnen kann. Häufige Beobachtung: Fehler vermeiden und wenn er passiert ist, Verantwortung von sich weisen. Oder – in der positiven Wendung – etwas daraus lernen, aber bloß irgendwas Produktives muss dabei herauskommen, kein Stillstand, kein Erstarren vor dem Wrongdoing. Hier rührt sich – bei mir – die romantische Vorstellung vom Fehler, der einfach da ist, einfach da sein darf, ohne ihn in Gold verwandeln, ohne ihn vertuschen, ohne ihn von sich weisen zu müssen. Fehler um des Fehlers willen. Genau wie der Schmerz (bucklige Verwandtschaft) ist auch der Fehler – immer im Kontext dessen, was als richtig gilt, sonst gäbe es den Fehler ja nicht – etwas, dass in uns negative Affekte und Emotionen auslöst. Daher muss das weg. So einfach vielleicht der physiologische Imperativ, der ja erstmal auch nur Konstruktion ist. Bei mir entsteht durch diese Überlegung (noch) nicht mehr Lust nach dem Fehler. Die Wertschätzung des Fehlers im eigenen Schaffen. Ein Song, der nur aus Fehlern besteht, flüstert mir die naive Schaffensabsicht ins Ohr, die alle Verhältnisse gerne auf den Kopf stellen möchte, das wäre was! Vielleicht den Fehler öfter mal zulassen können, sich nicht dafür schämen, das wäre auch was! Aber zwingen möchte ich mich nicht. Dafür ist abgesehen davon auch keine Zeit.
* Idiot im Sinne von: Einer, der sich nur auf sein Eigenes, seine Eigenheit, sein „idion“ verlässt;
P.S.: Das sagt übrigens der WordPress-Ki-Assistent zu meinem Post (gut zu wissen?), auch wenn ich ihm widersprechen muss – gerade die Antwortlosigkeit gefällt mir, aber da unterscheiden sich die verschiedenen Intelligenzen wohl: „The post explores the concept of improvisation and reflects on the fear of making mistakes. The content could be improved by providing more concrete examples or personal experiences related to improvisation. Additionally, it would be beneficial to discuss strategies or techniques to overcome the fear of making mistakes. Consider adding practical advice or exercises for readers to practice improvisation. Overall, the post would benefit from more depth and practicality in its exploration of the topic.“
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