Weirdes über Weirdart

Weirdart, das gibts ja nun erstmal gar nicht oder doch, aber dann habe ich noch nichts davon gehört – vielleicht ist diese Kunstform auch überhaupt nicht institutionalisiert, falls es sie gibt (weiß man da was?). Dennoch sehnt es mich ein wenig danach und wenn ich mit meiner Tochter bastele – was viel zu selten vorkommt – dann übernimmt ein weirder Teil in mir die Schere und den Klebestift und es arrangiert sich ein Bild, dessen Bedeutung sich mir maximal in Aspekten erschließt und das komisch und seltsam sein muss und witzig natürlich auch – das muss sein, der Humor, der simple und manchmal stumpfe Witz und gerne die Verkehrung: der Anti-Humor, der sich darin gefällt, das Witzige zu konterkarieren (ich würde viel öfter dem Anti-Humor frönen, wäre dieser nur nicht so arg zynisch und einfach…nicht sonderlich funny :)). Und dann kommt da die Lust am Banalen, am Offensichtlichen, das natürlich niemals gut genug ist, für nichts und niemanden, nur zur Stabilisierung dient es, des Alltagsbewusstseins, aber etwas Bewegendes, nein, du lieber Himmel, ist darin nicht versteckt in diesen repetitiven, geistlosen Dingen. Aber sie müssen rein, in die Weirdart, sie müssen ihren Platz finden – sie erkämpfen sich diesen, sie schlüpfen da rein und erfreuen mich diebisch, wenn sie sich manifestieren und mir Demut abverlangen. Dieser ganze Prozess bedeutet Demut für mich, denn ich verstehe ihn nicht, ich kann ihm nicht folgen, wie ich vielen Dingen nicht folgen kann und hier muss ich aufpassen, nicht in einen Strudel der Selbstabwertung zu versinken. Wenn das gelingt und ich merke, dass dieses Nichtwissen auch nicht so wichtig ist, dass ich mich nicht anklagen muss, dann ist das ein zusätzliches Plus.

Was ich mit der Weirdart eigentlich will? Eigentlich nichts. Eigentlich dient es mir nur, Dinge zu sehen, die ich sonst nicht sehen kann, weil ich den größten Teil meines Lebens nicht irgendetwas Schräges basteln kann, sondern bspw. Abspülen oder Elektrogeräte bestellen muss, die ich gar nicht brauche. Die „Weirdart“ überrascht mich dahingehend, dass immer etwas kommt, wenn ich im Tun bin. Es ergeben sich Ideen, die natürlich nicht zueinander passen, aber weirdingly irgendwie schon. Ich fühle einen starken kreativen Impuls in mir, wie vielleicht bei keiner anderen Schaffensform, was zugleich faszinierend und beängstigend ist, gerade weil ich hier schaffe, ohne Geländer (angelehnt an Hannah Arendt), ohne einen Sinn für Struktur, für Konventionen, für Erwartungen innerhalb der Kunstform. Darin schlummert ein enormes Freiheitspotential. Doch – natürlich – wie jeder Künstler zweifle ich daran, weil ich anscheinend Kunst nicht nur für mich selbst machen möchte, ob diese „Weirdart“ auch anderen Menschen etwas gibt, ob diese auch von irgendetwas erfasst werden, was sie nicht ganz fassen können? Oder ob sie abgestoßen oder (vielleicht) noch schlimmer völlig unberührt davon sind? Ja, wie immer stelle ich mir im Resonanzraum „Birne“ diese Fragen, wenngleich ich mich nicht auf diese schmerzliche Hinsicht des Schaffensaktes zu sehr versteifen möchte, denn sonst wird es dunkel. Daher spüre ich noch ein bisschen der Vorstellung nach: Weirdness als Weg. Und wir sehen uns sicher bald wieder. Bleibt schön, stark und komplex!

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