…würde die Überschrift dieses Newsletters lauten, wenn ich mich clickbaitmäßig verdingen wollte, aber das will ich natürlich nicht, weshalb ich einfach einen anderen Titel wähle, der mir noch einfallen wird.
Dennoch: Liebe Puchtlerunity, da meld ick mich ma wieda. Schön. Die Ausstellung läuft vor sich hin wie der gut geölte Motor einer 43er Waldnab (fiktives Moped-Modell, da ich mir echte nicht merken kann). Falls ihr in Görlitz sein solltet demnächst, kommt gerne vorbei und schauts euch an. Die Öffnungszeiten des wunderbaren Labaladens findet ihr hier: LABA.
Eigentlich wollte ich dieses Mal über etwas anderes schreiben, ich glaube es waren literarische Miniaturen, aber das mache ich dann einfach beim nächsten Mal, denn: Ich kam mal wieder dazu, mir Zeit zu nehmen für das Lauschen von Musik und dabei erinnerte ich mich an einen ganz fantastischen Song, den ich euch unbedingt empfehlen muss. “Hear me” von Dark Dark Dark. Ich muss zugeben: nur wenige Songs haben mich so beeindruckt wie dieser. Er rangiert bei mir auf jeden Fall in den kompositorischen Top Ten, wenngleich ich ihn nicht immer hören kann, denn – Vorwarnung – dieser Song überschreitet die Grenzen der wohligen Melancholie bei weitem und stürzt sich gleich hinein ins depressiv Ausweglose, in den seelischen Mud of Humanity, macht diesen jedoch bittersüß, fast aushaltbar, ja fast kathartisch kann man aus dem Song hervorgehen, finde ich, wenn man sich selbst in den Untiefen des Depressiven verloren meint. Ich behaupte sogar: wenn man vertonen möchte, wie sich Depression anfühlt – dieser Song hat es geschafft. In ihm findet sich das Dumpfe, Taube, das ineinander verschwimmende Tonale, dieses schwer aushaltbare – wie sagt der gepflegte Amerikaner? – “Noize”, das zumindest ich aus depressiven Episoden meines Lebens kenne. Das Depressive wird hier musikalisch so detailliert und resonant und eindringlich ausgeleuchtet, dass einem schwindlig werden könnte. Wie sich das anhört? Ich versuche es zu beschreiben:
Die Reise beginnt mit dem Rasseln eines knuddeligen Percussioninstrumentes (irgend einem Shaker?), bis die dumpfe, blecherne Bassdrum einsetzt und alles durchdringt, deren Schläge ganz tief in der Magengrube aufklatschen. Dicht gefolgt vom absteigenden Klavier, Dmoll – C – Amoll, das uns den Weg zeigt, ins Karge und Schmerzliche (wir müssten uns in der Tonart D-Moll befinden, die zumindest nicht sonderlich häufig verwendet wird, meine ich). Im Hintergrund bahnt sich das Schifferklavier, die Quetschkommode ihren Weg ins Gehör, bis die Wellen der verzerrten und mit Delay(?) versehenen E-Gitarre einsetzen, die immer wieder über das Ganze hinwegspülen, ohne dass man etwas dagegen tun kann, sie zittern sich ins Ohrwerk. Vielleicht liegt da auch ein kleiner Phaser drüber, das Zittern klingt typisch nach diesem Effekt. Schon dieser Klangteppich ist grandios und geht ganz tief ins Gemüt.
Dann beginnt der Gesang, mit dumpfer, tiefer Stimme. Der Text ist simpel, geradezu wunderbar einfach:
From the mouth of you
You tell your truth
From the mouth of you
You tell your truth
From the mouth of me
Softly
Hear me
Hear me
Hear me
Hear me
Hear me
Hear me
Für mich persönlich spiegelt selbst der Text den Akt des Versinkens wider, wie ich ihn aus eigener Depressionserfahrung kenne. Das Sprechen der Anderen ist etwas Unerträgliches, wenn man gerade den Kopf in einem Isolationstank hat. Vor allem das selbstgerechte Sprechen über Wahrheiten des Lebens, über Normen, über Dinge, die es zu tun und zu lassen gilt. From the mouth of you / you tell your truth. Und dagegen das Empfinden des eigenen Verschwindens in der Brandung von Körperempfindungen und Weltwahrnehmungen und den alles zersetzenden, selbstverletzenden Stimmen natürlich. Das Verstummen angesichts eines Übels, das für andere so unsichtbar, für einen selbst Verschwommen, aber unausweichlich ist.
Und dann kommt der beste Part des Songs, der Refrain. Die dumpfe, gedrückte Stimme verwandelt sich in Verletzlichkeit, in Zärtlichkeit, Verzweiflung, aber auch – so meine ich zu hören – etwas Hoffnung (auf Erlösung): „Hear me“ versucht sie anzusingen gegen den tonalen Teppich, der sich über alles legen möchte. Wie ein Sonnenstrahl, gefallen durch die Ritzen eines nicht ganz zugezogenen Rolladens, fällt sie in die scheinbar unendlich vor sich hin dröhnende und wabernde Dunkelheit. Fucking brillant, finde ich! Besonders bei der dritten Wiederholung, wenn die Stimme (im Gegensatz zum Aufsteigen der ersten beiden Male) von oben herabfällt, kleine wunderbare Schleifen macht und dann wieder hinaufsteigt in das kleine, leuchtende Loch in der dunklen Wolkendecke – spätestens dann bin ich getroffen und dem Song restlos verfallen. Aber hört selbst:
BWas für ein Lied! Was für eine Komposition! Und wie schade, dass dieser Song so unbekannt ist. Das ist ja förmlich zum Haareraufen! Aber jetzt kennt zumindest ihr ihn. Was heißt “zumindest”. “Hauptsache”, meine ich natürlich.
Während Dark Dark Dark ihrem Namen stets treu bleiben, gibt es noch einen weiteren Song, den ich ganz grandios finde und der etwas heiterer ist (aber immer noch schön melancholisch): Daydreaming. Auch hier lohnt sich ein Hören unbedingt. Und dann natürlich ein immer wieder Hören.
Ich wünsche euch viel Spaß (naja) oder zumindest viel Gefühl und vielleicht auch Erkenntnis – alles Dinge, die in diesem Song gefunden werden können.
Und nicht vergessen: bleibt schön, stark und komplex!is zum nächsten Mal. Bleibt schön, stark und komplex!
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